German poem
Ich habe längst in mir den Wunsch begraben
by Paul Heyse (1830–1914)
Ich habe längst in mir den Wunsch begraben, Zu schlürfen aus des Lebens Freudebronnen; Der Ehrgeiz schwand, mich am Erfolg zu sonnen, Und über Habsucht fühl' ich mich erhaben.
So werd' ich meinen Weg zu Ende traben Gesenkten Haupts, den aufrecht ich begonnen, Und doch – noch einmal, eh' die Frist verronnen, Wünscht' ich an Jugendvollkraft mich zu laben.
Denn hinter meiner Stirne fühl' ich sacht Ein Ungebornes ungebärdig pochen, Das hätt' ich gern noch rein ans Licht gebracht.
Nun bangt mir, meine Bildkraft sei gebrochen Und nieder müss' ich in die stumme Nacht, Verstummt, eh' ich mein letztes Wort gesprochen.
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