German poem
Und jenes blassen Mädchens dacht' ich da
by Paul Heyse (1830–1914)
Und jenes blassen Mädchens dacht' ich da In meiner Eltern Haus. Ihr dumpfes Zimmer Sah in den Hof; da saß sie nähend immer, Bis ihre Hand dem Linnen ähnlich sah.
Was rings in Stadt und Land und Welt geschah, Warf in ihr dämmernd Leben keinen Schimmer. Daß schön die Erde sei, erfuhr sie nimmer Und dacht' an eins nur: daß ihr Ende nah.
Am Sonntag kam ein blonder Kammerdiener, Der ihr von Liebe sprach; und schweigend ließ Und lächelnd sie's geschehn, als wär's zum Spaße.
Zuweilen bracht' er Kirschen mit, dann schien er Ein Gott ihr und ein kleines Paradies Ihr Hinterstübchen in der Behrenstraße.
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