Versos German Peter Rosegger An Tirol

German poem

An Tirol

by (1843–1918)

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Zum Eröffungstag der Arlbergbahn.

(1884.)

Tirol, du schönes, stolzes Land, Du hüllest dich in Festgewand Und jauchzest laut. Durch Berg und Tal der Posthornschall, Er tönet heut das letztemal So weh und traut.

Das Posthorn klingt, wie Vogelsang Dereinst auch an das Herz dir klang In Sommernacht, Als es—ein sehnend Walter-Lied— Vom Liebsten, der in Treuen schied, Den Gruß gebracht.

Es blies in schwer bedrängter Zeit Das Notsignal zum Freiheitsstreit Von Tal zu Tal; Und auf dem blutigen Felde klang's Erschütternd, wie des Grabgesangs Posaunenschall.

Dem Spielmanns-, Senn- und Jägerhorn Entstammt, ward es zum heiligen Born Für Lust und Schmerz. War's Willkomm', war es Scheidens Muß, Das Horn, es hatte wilden Gruß Für unser Herz.

Das Lerchenlied—es ist vorbei. Doch hörst du nicht des Geiers Schrei Und schrillen Pfiff? Ein schwarzer Drache schnaubt heran, Und Feuer speit auf eherner Bahn Das Lokomotiv.

Der Täler Frieden ist dahin, Und bald der Welt Parol': Gewinn! Wird herrschend sein. Doch nimmer klagt und nimmer bangt; Was eine große Zeit verlangt, Wird sie auch weihn.

Solang noch Schwert und Kugel droht, Der Völkerhaß gen Himmel loht, Solang, solang Die weite Welt nicht ist befreit, Gibt's keine Rast in Einsamkeit, Trotz Lerchensang.

Die neue Bahn, der weder Sprung Noch hoher Berge Überschwung Jemals gefiel: Durch Nacht und Graus, auf kühnem Steg, Geradeaus den Mittelweg, Kommt sie ans Ziel.

Ans große Ziel, dem ich und du Mit heißer Sehnsucht streben zu, Und weher Not: Dem Bruderbund von Hand zu Hand, Von Herz zu Herz, von Land zu Land, Das walte Gott!