German poem
Belehrung für einen Dichter
by Peter Rosegger (1843–1918)
Du beklagst dich, daß dein Weibchen Nicht will deine Lieder lesen. Schreib in Küssen, statt in Versen, Wird sie's immer wieder lesen. Bist du ferne, wird sie gerne Lieder unterm Flieder lesen. Doch, wenn selber singt der Vogel, Wozu im Gefieder lesen? Wisse, sie hat nicht die Richtung Literarisch weiser Richter; Lieber, als die größte Dichtung, Ist dem Weib der junge Dichter. Deshalb ist, seid ihr beisammen, Nicht die Zeit zum Liederlesen.