German poem
Der Blinde
by Peter Rosegger (1843–1918)
Als Gott der Herr die Welt erschuf, Da war sein erster, heiliger Ruf: Es werde Licht! Das Gnadenmeer vom Himmel floß Und sich in alle Herzen goß, —In meines nicht.
Und auf zum ewigen Sternenzelt Blickt jedes Aug', dem Herrn der Welt Ins Angesicht. Und jedes Blümlein auf dem Plan Lacht eure Augen freundlich an, —Das meine nicht.
Der Mutterblick, der holde Stern, Er blieb mir unermeßlich fern. Dem Ärmsten flicht Der Herr aus goldnem Sonnenglanz Ums Haupt den bunten Farbenkranz, —Um meines nicht.
Du treuer Engel Gottes, sag, Was hab' an diesem Erdentag Ich denn vollbracht, Daß mitten unter Strahl und Schein Verstoßen ich bin ganz allein In ewige Nacht?
Der Engel sprach: Der Strahl, das Licht Von außen ist das Höchste nicht Zur Menschen Lust. Statt Glanz die Glut, ein warm Gemüt, Das wie ein sonniger Frühling blüht In deiner Brust.
Wohl muß in deinem Aug ich sehn Als einzigen Glanz die Träne stehn. Doch weine nicht! Noch leben treue Menschen hier, Und Gottes Ruf erschallt auch dir: Es werde Licht!