German poem
Dichters Wunsch
by Peter Rosegger (1843–1918)
Ach, wie gerne möcht' ich wissen Oft, zu wem mein Sprüchlein spricht! Hunderttausend Leser hab' ich, Aber einen hab' ich nicht.
Hunderttausend Leser heißen Publikum, und ihre Zahl Wird willkommen der Verleger Heißen hunderttausendmal.
Einen möcht' ich, einen haben, Den ich kenn', von dem ich weiß, Daß er jede meiner Zeilen Liest mit Liebe und mit Fleiß.
Einen einzigen ganzen Menschen, Einen ruft der Dichter an, Dem er all sein Denken, Dichten, Frohes Schaffen weihen kann.
Einmal hatt' ich einen solchen, Habe nur an ihn gedacht, Habe nur für ihn gedichtet Und mein Herz ihm aufgemacht.
Also sprach der Mensch zum Menschen Traut mit leiser, warmer Stimm', Und die hunderttausend Leser Fanden sich in mir und ihm.
Als ich redete für einen, Standen alle rings herum, Red' ich allen, hab' ich keinen Menschen—lauter Publikum.