German poem
Er will mich nicht verstehen
by Peter Rosegger (1843–1918)
Und wenn ich ihm nicke Mit glühendem Blicke Den Morgengruß zu; Und wenn ich ihm pflücke Ein Blümlein, und schicke Ein Bändchen dazu; So fragt er noch: Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er will mich nicht verstehen. Und wenn ich die lose Und blühende Rose Gar minniglich küß'; Und ich ihm dann sage, Halb klage, halb frage: Ist küssen nicht süß? So fragt er kalt: Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er will mich nicht verstehen! Und sag' ich auch innig: Ich habe so sinnig Geträumt von dir; Als hätt' ich am Raine Das Häuschen, das kleine, Bewohnt mit dir! So fragt er leis': Warum? Und will mich nicht verstehen!
Er mag mich nicht verstehen. Und wenn ich die Arme Ihm reich', Gott erbarme! Er ist viel zu blöd'!— —Ei! wäre ich Mädchen Des Nachbars jung' Gretchen, Er tät nicht so spröd'; Er fragte nicht: Warum? Er würde mich verstehen!