Versos German Peter Rosegger Festgruß

German poem

Festgruß

by (1843–1918)

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zur zwanzigjährigen Gründungsfeier des Lesevereines in Krieglach am 23. Juli 1893.

Es pflegen die Menschen im irdischen Tal, Die Streitenden, Hoffenden, Edlen zumal Sich leuchtende Tempel zu bauen, Auf daß im alltäglichen Drang ein Asyl Uns winke und weise das höhere Ziel Zum inneren Leben und Schauen.

Denn nicht in des Körpers gebrechlichen Schrein Sind uns hinterlegt die Schätze allein, Und auch nicht in eisernen Truhen; Die größten, beständigsten Güter der Welt, Sie sind wohl auf Geist und Gemüt gestellt, Wo selig die Götter ruhen.

Zu stärken die Kräfte, die schaffenden, Zu wecken die Götter, die schlafenden, Das war unser heiliges Streben, Als einstens, vor zweien Dezennien, Beseelt und geleitet von Genien, Dies Bündnis wir riefen ins Leben.

Wir gründeten mutig den frohen Verein Und luden die Geister des Erdkreises ein Ins bescheidene Dorf an der Fresen. In Büchern und Blättern sie kamen heran, Und mancher verdienst- und ruhmreiche Mann Ist wohl unser Gast gewesen.

Wir hielten zusammen in treuer Pflicht, Wir zankten nicht viel und wankten auch nicht In guten und schlimmen Jahren. Und hier in diesem gastlichen Haus Hat unser Verein jahrein und jahraus All Schutz und Schirm erfahren.

Wie mancher Gesang der Weihestund', Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund' Hat hier gebraust und geklungen. Wie mancher Funke und Bildungskeim Ist siegreich aus diesem Geistesheim Ins weite Tal gedrungen.

So wird man dem immer noch frischen Verein Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn, Der treuen Verharrung zum Lohne. Die Einigkeit war unser Grund und Fach, Die Einigkeit war unser Turm und Dach, Die Einigkeit sei unsre Krone.