German poem
Heimgartens silberne Hochzeit
by Peter Rosegger (1843–1918)
Seit sich der Gärtner müht Und dieser Garten blüht, Nie Gold und Silber das Leitmotiv war. Doch als die Zeit verstrich, Sachte das Haupthaar blich, Nahet dem Werke das silberne Jahr.
Silberne Hochzeit hält Mit seiner Lesewelt Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn. Altern nicht wehe tut; War nur die Ehe gut, Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn.
Seit einst im Steirerland Schlicht dieses Blatt entstand, Liegen, wie immer, die Geister in Streit. Und dieser Garten hier War teils ein Kampfrevier, Teils ein Idyll auch in stürmischer Zeit.
Oft fiel das Samenkorn Freilich auf Sand und Dorn, Oft hat gesäter Wind Sturm auch gebracht. Ist es auf Bergeshöhn Nicht der befreite Föhn, Der aus dem Eise den Frühling entfacht?
Doch nicht der Lenz allein Soll ewig Herrscher sein; Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern! Was wir im Lenz gesät, Ahnend schon aufersteht: Freude den Menschen und Ehre dem Herrn!
Dann—wird im Abendfried' Einst auch der Gärtner müd, Reichend den Spaten dem andern zur Hand, Wird das Vermächtnis sein: Treuet den Garten mein, Heimgarten ewig dem steirischen Land!