German poem
Ruf zur Hilfe
by Peter Rosegger (1843–1918)
bei einer Elementarkatastrophe in Steiermark.
Hört ihr den Ruf erschallen? Der Charitas Gesang. Seht ihr die Menschen wallen Die Straßen froh entlang? Sie ziehen, traun, dem Rufe nach, Durch Täler, über Berg und Bach, Dem Weihesang zu lauschen.
Die Tannenwälder rauschen— Es wogt der blaue See, Und Minnelaute tauschen Das Böcklein und das Reh. Es schwillt und knospet Trieb um Trieb, Es blüht die heilige Bruderlieb' Im schönen Lande Steier.
Wie ernst ist unsere Feier!— Des Schicksals dunkle Hand Senkt nieder grause Schleier Mit Sturm und Blitzesbrand. Des Landmanns Haus und Feldeshab' Verwandelt sich zum Wüstengrab.— Gehört das auch zum Feste?
Ihr hochgeschätzten Gäste, Ein wohlerwogner Rat: Der Heimatsehren beste Ist eine gute Tat. Hißt auf die Fahnen weiß und grün, Und laßt das Alphorn schallen hin, Die Brüder all zu rufen.
Und zu des Altars Stufen, Die wir der Styria In heißer Liebe schufen, Kommt her aus Fern und Nah. Der Mund für Sang und Bechersrand, Das Aug' dem Licht, die offne Hand Den armen Landsgenossen.
Aus Zeiten, längst verflossen, Ist uns der Väter Art Ins warme Herz gegossen, Daß sie die Scholle wart'. So danken wir in Tat und Spiel, Daß dieses Land vom Himmel fiel Und unser Heim geworden.
Und daß nicht durch die Pforten Zieh' fremder Geist herein, Der Ahnen Kraft zu morden, Die Brüder zu entzwein— Des laßt in Einigkeit uns stark Der heißgeliebten Steiermark, Der heiligen Heimat walten.
Und damit nicht erkalten Die Heimatliebe mag, Soll nunmehr sich gestalten Ein froher Steirertag, Zu zeigen, daß in Glück und Not, Und wenn den Brüdern Unheil droht, Wir treu zusammenhalten.