Versos German Philipp von Zesen Das Dritte Lied

German poem

Das Dritte Lied

by (1619–1689)

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die kinder kühler Lufft seyn auch in stoltzer Ruh/ nur Echo wachet noch und rufft mier immerzu die letzten Sylben nach; ich sehe wie den Sternen der schier erblasste Mond zu wincken kan von fernen; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein.

Du ruhest/ Hedewig/ und liegst im stoltzen Frieden in deinem Feder-Zelt/ ich aber muß ermüden und schlaaff-loß bringen zu die gantze liebe Nacht/ Da ich allein auff dich/ O Hedewig bedacht; Des Hertzens Vorhoff liegt/ dein Rosen-Mund/ gestillet/ dein edles Heupt ist auch mit küssen eingehüllet; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein/ und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein.

Ich bin in Angst und Furcht/ die Eul' erbärmlich schreyet/ Ich höre/ wie sie mier den bittern Todt schon dreuet. Ach Schmertz! Ach weh! ach Leid! ich ächtze durch die Nacht und liege schlaafloß da biß Cynthius erwacht; Es schläfft der Arbeitsmann/ der Drescher ruhet süße/ Das stoltze Pferd ruht aus/ fühlt nicht die müden Füße; Nur ich bin ohne Trost und wache gantz allein und seufftze fort für fort/ wenn andre schlaaffen ein.

Ey nun gehab dich wohl! Ade! du stoltze Dirne/ dich ruff ich Zeugen an/ du güldenes Gestirne/ Euch ruff ich/ zeuget mir/ ihr Thäler/ meine Zier/ Ihr Wiesen/ Berg' und Büsch' und das auch wohnet hier/ Das Lust-kind ruff ich an/ und kann es mehr nicht zeugen/ so wird es dennoch nicht mein letztes Wort verschweigen; Daß ich war ohne Trost und wachte gantz allein und seufftzte fort für fort/ wenn andre schlieffen ein.