German poem
Das vierzehnde Lied
by Philipp von Zesen (1619–1689)
Wo ist doch meine Rosemund/ die mier mein hertz macht wund?
Schau/ hier kommt sie/ Dier ihr leben gantz zu geben.
Der himmel mag stürmen/ mag hitzen und blitzen wan unter dem schirme der Liebe wier sitzen. Wier können uns lieben ohn' alles betrüben/ dieweil uns die liebe so lieblich anblikt/ ja weil es sich alles zur fröligkeit schikt.
2.
Auf! kehre wieder Rosemund/ und komm/ ach! kom zur stund.
Schau/ ich komm'/ und kehre wieder zu dir nieder.
Die Liebe/ die liebliche Fürstin der sinnen/ ergetzt uns und letzt uns von aussen und innen; es sollen die hertzen in schmertzen und schertzen/ nuhn beide zusammen stets flammen mit lust/ Die allen recht-liebenden bleibet bewust.
3.
Der Mahn sucht stets sein Sonnen-licht/ weil ihm sein glantz gebricht:
und den kühlen Mahn die Sonne/ ihre wonne.
Die Sonne giebt wonne/ giebt wärme den saaten/ der Mande befeuchtet sie/ daß sie gerahten: Sie wärmet die felder/ Er kühlet die wälder: so tuhn auch zwei Liebsten in liebe verstrükt/ mit seeligen/ lieblichen stunden beglükt.