German poem
Das Zwölffte Lied
by Philipp von Zesen (1619–1689)
Nun hatt mein Gemüthe sich erquicket/ Weil das Auge dieses Licht erblicket. Welches durch die späten Nächte bricht/ Das mich brennt/ doch ohne Flamm und Licht.
Komm und lesche diesen Brand der Liebe/ Komm und mich nicht länger so betrübe/ Du mein Auffenthalt und Lebens-Zier/ Lindre diese Schmertzen doch an mier.
Nahe dich/ du güldnes Licht der Freuden/ Wiltu denn so bald von mier abscheiden/ und mich laßen ohne Sonn und Licht/ Weil die trauren-volle Nacht anbricht?
Sihe wie so schön die Sterne lachen/ und du wilt dich schon von hinnen machen/ Schöne/ du mein Früh- und Abend-Stern/ Nahe dich/ und bleibe nicht so fern.
Wenn gleich alle Stern' am Himmel schienen/ Könten Sie mier dennoch wenig dienen/ Du alleine bist mein bestes Licht/ Dem es nie an Glantz und Schein gebricht.