Versos German Philipp von Zesen Lisanders Klage

German poem

Lisanders Klage

by (1619–1689)

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Unlängsten hört' ich schmertzlich flöhen ein götlichs mänsch bei dieser fluht; Der träuste buhler mus vergehen/ wo ihm sein Lieb nicht hülfe tuht.

O süßer strohm/ geh hin und zeuge/ geh/ zeug' es seiner Liebsten an: daß er sich schon zum grabe neuge/ und ohne sie nicht leben kan.

Dis eis ist kalt/ doch mus es schwinden für seiner heissen liebes-gluht: wer aber kan ihr hertz entzünden/ das kälter ist als eis und fluht?

Kan er sie nicht durch Liebe zwingen/ daß sie vernähme seine pein/ so würd er doch ihr hertz ümringen/ und für die Lieb ihr seufzen sein.

Mich deucht/ ich seh sie schohn geschlagen/ wie sie Lisanders tod beweint/ ich höre sie für schmertzen klagen/ wie sie betrauret ihren freund.

Kein buhler ist jemahls gewesen so foller ehr' und so beglükt: Lisanders nahmen würd man lesen in seiner Liebsten Hertz getrükt.

Er liegt im hertzen seiner Lieben/ o welch ein ädles grab ist das! sein nahme steht darbei geschrieben. es rührt ihn nuhn kein neid noch has.

Weil er ihm dan nuhn lässt genügen/ und ruht in ihres hertzens schrein/ so wil er/ daß man bei sol fügen auf einen ewgen grabe-stein:

Lisander lebt' und ist gestorben für seine liebste Silvie/ doch hat er ihr nicht gnug erworben/ das ihrer würdigkeit gleich steh.