German poem
Wie manchen stern der Himmel führet
by Philipp von Zesen (1619–1689)
Wie manchen stern der Himmel führet/ so manche Jungfrau lebt in dier/ o schönes Utrecht/ die dich zieret und leucht wie sterne hoch herfür. Hierunter kan nichts schöners sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Die schöne seind von farb und gliedern/ seind oft sehr häslich vom gemüht; und manche wil sich nicht erniedern/ trotzt bloß allein auf ihr geblüht. Drüm kan und mag nichts liebers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Viel seind sehr artig von geberden/ dagegen schwartz und ungestalt; ist sie die allerklügst' auf Erden/ so ist sie mehr als alzu alt. Drüm kan nichts angenehmers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Ist manche gleich sehr wohl gebildet/ so ist sie tum und ungeschikt; ein ander' hat das blei vergüldet/ die manches hertz/ wie gold/ verzükt. Drüm kan ja nichts belobters sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Dan Ewalein ist weis und weise/ und hat die allerliebste zier: Von-Kobed kröhnt den wein mit speise/ und Ledar bringt die lust herfür. Drüm kan und mag nichts süßers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Von-Ewalein ist schön und züchtig/ und über alles wolgestalt; Von-Kobed from und tugend-richtig/ und Ledar ist ein Rosen-wald. Drüm kan und mag nichts höhers sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Von-Ewalein ist klug von sinnen/ sehr höflich/ zahrt und wohlgebildt/ Von-Kobed schön von auss- und innen/ und Ledar bleibt der Schönheit schild. Drüm kan ja keine schöner sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Von-Kobeds lob ist ausgesprochen/ daß sie keusch/ fromm und schöne sei. Von-Ewalein ist aus-gebrochen gleich wie der wunder-schöne mei. Drüm kan ja nichts beliebters sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.
Von-Ewalein bleibt schön in allen/ und Ledar freundlich/ roht und weis; ja Ewalein mus selbst gefallen der misgunst/ die ihr giebt den preis. Drüm kan und mag nichts schöners sein/ als Kobed/ Ledar/ Ewalein.