Versos German Rudolf Friedrich Heinrich Magenau Kloster Hirschau

German poem

Kloster Hirschau

by (1767–1846)

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Mit Träumen treibe Keiner Spott! Manch frommer Traum kam schon von Gott, Es spricht der Herr nicht stets durch Wort Und Donner, wie zu Mose dort.

Er spricht auch oft ein still Gemüth, Das auf zu ihm in Demuth sieht, Wie er bei Joseph einst gethan, Mit leiser Stimm’ in Träumen an;

So stand in süßem Morgentraum Auf eines Angers grünem Saum Einst einer Kirche heil’ges Bild Vor Helizena’s Blick enthüllt.

Drei Fichten sah sie wunderschön, Drei Drillings Schwestern, vor sich steh’n, Und über ihrer Wipfel Grün Wölbt sich ein Regenbogen hin,

Und schwebend auf dem Bogen stand Verklärt in schimmerndem Gewand, Ein Engel; seine Stimme drang Ihr sanft ins Ohr, wie Harfenklang.

Dich, fromme Wittwe! sprach er, dich Hat Gott erwählt; vernimm durch mich, Beglückt vor Tausenden, sein Wort, Und bau’ ihm eine Kirche dort!

Dort, wo auf jenes Angers Grün Aus Einem Stamm drey Fichten blüh’n, Dort an der Nagold grünem Strand Siehst du das ihm geweihte Land;

Und kaum erglüht das Morgenroth, Befolgt sie schon des Herrn Gebot Und reich geschmückt als Edelfrau Ritt sie hinaus zur grünen Au;

Doch all ihr köstlichstes Geschmeid Dünkt ihr jetzt Tand und Eitelkeit, Sie zieht es aus mit frommem Sinn, Und legt es Gott zum Opfer hin.

Des Reichthums Glanz, des Standes Ehr Reizt nicht die fromme Wittwe mehr, Als Wittwe will sie Gott allein Der Tage Rest in Andacht weih’n.

Und rasch enteilt mit flinker Hand Der Knechte Schaar nach Kalk und Sand, Der Hämmer Schlag, der Aexte Schall Ertönt durchs Thal nun überall.

Und bald erhebt aus tiefer Kluft Die Kirche hoch sich in die Luft, Und bald stimmt in den Weihgesang Der Orgel Ton, der Glocken Klang.

Des Volkes Menge strömt herbei Von nah’ und fern; mit heil’ger Scheu Thut ihr der frommen Wittwe Mund Das Wunder der Erscheinung kund.

Auf’s neu ertönt durch Wald und Thal Der Hämmer Schlag, der Aexte Schall, Es rührt von Gottes Geist entbrannt Sich Jung und Alt mit ems’ger Hand.

Ein Klösterlein, von treuem Fleiß Erbaut, umschloß in schönem Kreis Die Kirche, wie ein heil’ger Schein, Und fromme Väter zogen ein.

Doch was der Wittwe fromm Gemüth Nicht ganz vollbracht, hat Erlafrid Und Wilhelm, er, der Gottesmann Mit hoher Kraft begabt, gethan;

Die Fichten, die im Morgentraum Die Frau erblickt’ im grünen Raum, Sie warfen jetzt voll Herrlichkeit Den Schatten segnend weit und breit.

Die schönste Perl im Schwabenland War Hirschau an der Nagold Strand; In seiner Zellen stillem Schooß Wuchs manche Geistespflanze groß;

Doch nichts, was Menschenkunst erhöht, Nichts, was die Erde trägt, besteht, Verödet liegt in Schutt und Graus Seit Säk’len schon das Gotteshaus.

Versunken ist in ew’ge Nacht Der Säulen Schmuck, des Tempels Pracht, An Trümmern weilt des Wandrers Blick Und eine Thräne bleibt zurück.

Rud. Magenau.