Versos German Rudolf Lavant Martinique

German poem

Martinique

by

Listen in the reader

Martinique.

Wenn Luft sich machen unterird’sche Gluthen Und rings der Donner ihres Zornes schreckt, Wenn Aschenregen und der Lava Fluthen Die blühenden Gelände überdeckt, Wenn der Vulkan in seinem blinden Rasen Ins Thal den Hagel heißer Trümmer schickt, Wenn tückisch er mit seinen gift’gen Gasen Zu Tausenden die Flüchtenden erstickt ―

Dann faßt die Menschheit ein gewalt’ger Schauer Und manche Wange wird vor Mitleid blaß; Auf allen Herzen lastet schwere Trauer Und weicher Menschen Augen werden naß; Und überall wird tief und schwer empfunden Als ein vernichtender, gewalt’ger Schlag Das düstre Unheil, dem in schwarzen Stunden Die schöne Insel fern im Meer erlag.

Und doch ist das, was in gespenst’ger Schnelle Die Tausende versenkt in bittern Tod, Nur eine einz’ge, eine kleine Welle In einem Meer des Grames und der Noth, Und die um Mitleid für die Insel werben, Die jäh zum Friedhof das Geschick gemacht, Sie lassen kühl und ungerührt verderben Millionen Brüder in des Elends Nacht.

Das Elend wimmelt in den engen Gassen, Verkommen, hungrig, rußig und verstaubt, Doch hat den Reichen dieses Loos der Massen Nur eine Stunde je des Schlafs geraubt? ― So sammelt denn mit christlichem Erbarmen, Mit frommen Worten und umflortem Blick An allen Ecken gründlich für die Armen, Die heute übrig noch auf ― Martinique. R.L.