Versos German Rudolf Löwenstein Burg Nimmersatt

German poem

Burg Nimmersatt

by (1819–1891)

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War ein Geschlecht von Recken, Gefürchtet in Dorf und Stadt, So einst geherrscht mit Schrecken Auf Veste Nimmersatt.

Es hauste sonder Schonen Mit Schwert und Speer und Geschoß; Der Bauer mußte frohnen, Der Bürger zinsen dem Schloß.

Und Wehe, dreimal Wehe, Wenn droben der Thürmer blies, Dem Kaufherrn, der in der Nähe Der Burg sich blicken ließ! –

Heut ziehn nicht Ritter noch Knappen Auf Raub mehr aus und Gefecht. Zerschellt ist dein Schloß und Wappen, Du nimmersattes Geschlecht!

Die Recken sind all vergessen, Die hier geschwungen das Schwert, Und im Burgfrieden indessen Ist Friede eingekehrt.

Ja, Friede liegt gebreitet Rings um das verfallne Haus; Kein Edelfräulein mehr reitet Zur Reiherbeize hinaus.

Das wissen die klugen Reiher – Kein Falk ist zu fürchten mehr – Lustwandelnd schreiten am Weiher Und fischend sie einher.

Und in der Eichen Geäste Spottdrossel sich hören läßt: „Schlaf fest, vesunkenen Veste, Du Ritter- und Räubernest!“