German poem
Perpetui coelum tempora veris habet
by Simon Dach (1605–1659)
Der Mey, des Jahres Hertz, beginnt Durch Krafft der SonnenStrahlen Feld, Berg vnd Thal zu mahlen, Daß alles newen Schmuck gewinnt: Der Baum, ein Speisemarckt der Bienen, Trägt Laub vnd edlen Safft, Der Artzte Wissenschafft, Die Feld- vnd Gärten-Kräuter grünen.
Vnd du, mein Hertz, bist träg vnd kalt, Giebst noch dich zu verstecken Der faulen Winter-decken, Der Wollust Schirm vnd Auffenthalt? Mein, laß dich die Natur bewegen! Deß Höchsten Gnaden-Schein Wird deine Sonne seyn, Sein thewres Wort dein güldner Regen.
Verjünge dich vnd brich herfür Mit deinem Tugendt-Kleide Als Gottes Seelen-weide, Nimm an die Lielien-weisse Zier Der Heiligkeit, recht fromm zu leben! Wo nicht, so wird der Baum Deß Lebens keinen Raum, Sein Zweig hinfort zu seyn, dir geben.