German poem
Die Zukunft
by Sophie Mereau (1761–1806)
Unaufhaltsam wie auf Sturmes Flügeln Schwinden Jahre – Ach, den Flug der Zeit Hemmt kein Wünschen, keine Freuden tauchen Aus den Wellen der Vergangenheit.
Weh dem Armen, dem am Lebenspfade Ungepflückt das kleinste Blümchen blüht, Ungehascht der junge May enteilet Und des Glückes goldne Hora flieht!
Bald entflogen ist wie Morgenträume Unser Leben und der Vorhang sinkt! Wir erwachen – Unbekannte Pfade Warten unser, wo kein Führer winkt.
Daß ich hinzudringen doch vermöchte, Dort, wo Nacht die weite Aussicht deckt, Wo der Phantasie vermeßnen Flügel Die geheimnißvolle Tiefe schreckt. Welche Fluthen müssen wir durchfahren? Welche Labyrinthe, wo noch nie Nie ein Pilger wiederkehrte, müssen Wir durchwandern, wer enthüllt mir sie?
Bin ich? Bin ich nicht mehr? – Zwischen beyden Steht entsezt der fragende Verstand, Trostlos stürzt der kühne Wunsch zurücke Von der Sinne schwarzer Kerkerwand.
In der Seele martervollem Kampfe Faßt er endlich, Ungeheuer, dich Ewigkeit – O du dem Erbgebohrnen So entzückend und so fürchterlich.
Schaudernd vor dem Dolch, der ihn durchbohret, Flieht der lebenvolle Geist zurück. Ach, die Wünsche, die in diesem Busen Feurig schlagen, stillt kein irrdisch Glück.
Nein, vergebens webte nicht sein Wille In mein Wesen diese Sehnsucht ein. Dieses Herzens nie gestilltes Sehnen Muß ein Bürge der Erfüllung seyn.
Demoiselle S – t.