German poem
Abendbetrachtung
by Stefan George (1868–1933)
Wenn des abends sanfte kühle Dämpfte dumpfe sommerschwüle
In der zeit wo nach genüssen Herzen gieriger verlangen Lippen offen sind zum küssen Arme breiten zum umfangen:
Ziellos meine schritte lenkend Nur an die Geliebte denkend
War auf einsam stillen pfaden Ich auf einmal vor die mauern Eines totenhofs geraten. Es ergriff mich leises schauern
Wo so viele jezt vermodern Die dereinst zu hellem lodern
Menschliches gefühl entfachten Wo in ewge nacht versinken Die anbetend wir betrachten Und uns niemals wieder winken.