German poem
Am weiher wo die rehe huschen
by Stefan George (1868–1933)
Am weiher wo die rehe huschen Da war's wo wir von kampfes schweiss Zum erstenmal die stirnen wuschen Nach unsren fahrten hart und heiss.
Nun ist mein bruder eingeschlafen – Die schwerter klangen heute scharf – Und ich bin froh dass ich den braven Dieweil er ruht behüten darf.
Er stüzte sich mit seinem schilde · Ich nahm sein haupt in meinen schoss · Auf seiner wange zuckt es milde · Um seinen bart erbarmungslos.
Er zog mich heut aus manchen fesseln · Im schwarzen wald wo unheil haust War ich verstrickt in tiefen nesseln · Er hieb mich aus mit rascher faust.
Ich wollte zu den süssen stimmen Des widerrates nicht gedenk Dem sündeschloss entgegenklimmen · Er hielt mich fest am handgelenk.
Er kennt kein sinnen und kein wanken · Die bösen fühlten seine wut · Die armen die zu fuss ihm sanken Verteilten sich sein ganzes gut.
Er wird mich immer unterweisen Im graden wandel vor dem Herrn · Mein bruder ist aus wachs und eisen · In seinem schutze weil ich gern.