German poem
Antwort der Madame Karschinn
by Susanne von Bandemer (1751–1828)
Dank für den Trost, den du mir giebst In deinem Morgengruß so schön, so allerliebst! Ich möcht’ ihn selbst geschrieben haben Am Tage, der dein erster war. Auch dank’ ich für die Blumengaben, So spät im Jahr, Und doch so herrlich anzuschauen. – Ich bitte, meine Theure, dich Mit zärtlichem Vertrauen, Komm zu mir, grüße mich In meinem Krankenbette, Wo ich vorgestern bald den Tod Gelitten hätte, Wenn’s der Allmächtige gebot: – Ich bin zwar aus der Marternoth, Bin aber schwach, sehr schwach und lebe Kaum wieder auf, zu Preis und Dank, Mit welchem ich mein Herz erhebe Zu Gott, der’s hinderte, daß ich nicht niedersank. –
Komm, liebe Charitinn, zu deiner Karschinn heute Und freue dich, Daß ohne hochgelahrte Leute, Ohn’ ein Galenus Jünger ich Mein Leben noch als eine Beute Davon trug, und dir sagen kann: Daß dir dein Morgengruß mein ganzes Herz gewann.