German poem
Der gestrige Abend
by Susanne von Bandemer (1751–1828)
Selig! selig! die, so ganz versunken Im Gefühl der Liebe, dir im Arme lag: Ach, sie lauschte hoher Wonne trunken Auf des Herzens stärkern Schlag.
Der dir, – Holder, den ein Gott mir wählte – Mit der reinsten Liebe sanft die Brust durchbebt, Und mich mehr, als Amors Neuvermählte, Zu Elysium erhebt.
Frey von jedem sinnlichen Verlangen, In dem süßen Einklang reiner Harmonie, Fühlt ich Trauter! ach, von dir umpfangen Unsrer Seelen Sympathie. Nein, nie fühlt’ ich, was ich dort empfunden! Unaussprechlicher hat Liebe nie beglückt! O, in dieser seligsten der Stunden, Ward mein Geist der Welt entrückt.
Und durchdrungen von dem reinsten Feuer Hob die Sterbliche zur Göttin sich empor: Du allein beseltest meine Leyer Mehr, als der Kamönen Chor.
Dir erthönen diese Silbersaiten, Und mit einer nahmenlosen Lust Fühlen wir, der Liebe Eingeweihten, Schon den Himmel in der Brust.