Versos German Susanne von Bandemer Die Mutter an ihren Erstgebornen

German poem

Die Mutter an ihren Erstgebornen

by (1751–1828)

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Kämpfend zwischen Tod und Leben, Hoch durchglüht von Zärtlichkeit, Fühlt’ ich nie das Wonnebeben Einer Mutter, so wie heut.

Als ich nach der Jammerstunde, Holder Säugling, dich erblickt; Als der Schrey aus deinem Munde Mich zur Himmelslust entzückt:

O, da dacht’ ich nicht der Schmerzen, Nicht der Wöchnerinn Gefahr: Nur mit Liebetrunk’nem Herzen Küßt’ ich den, den ich gebar, Küßt’ ich dich, du Pfand der Treue! Von dem heiß geliebten Mann, Den ich jetzt durch dich aufs Neue Mehr als jemahls liebgewann.

Kleine, süße, theure Bürde! — Ach, dem Glücke kommt nichts gleich Das ich fühle — Mutterwürde, Durch dich bin ich groß und reich!

Segen ström’ auf dich hernieder, Den Gott seinem Liebling giebt. Werde, wie dein Vater, bieder, Und von aller Welt geliebt.

Und dein Engel wache, leite Freundlich dich an seiner Hand, Daß dein Fuß nie strauchelnd gleite An des Abgrunds Blumenrand.

O, du lächelst! und ich fühle Mich, als Seligste der Welt! Jeder Wunsch ist jetzt am Ziele, Weil mein Arm dich, Engel! hält. Komm’ und trink’ an meinem Herzen Neues Leben, neue Lust, Holder Lohn der süß’sten Schmerzen! Ruh’ an deiner Mutter Brust.

Voll von freudigem Entzücken Sieht dein Vater stumm herab. Dank spricht mir aus seinen Blicken Für den Sohn, den ich ihm gab.

Schlummre jetzt, du süßer Knabe! Sanft, auf meinem weichen Schoos. O, für eines Kaisers Habe, Tauscht’ ich nicht dieß schöne Loos.