German poem
Fehler der fürstlichen Erziehung
by Susanne von Bandemer (1751–1828)
Ein König ließ den Erben seines Throns Mit großem Fleiß erziehn. Man sucht in den Provinzen Zum Unterrichte seines Sohns Die größten Meister auf. Man unterwies den Prinzen In allen Künsten, die zur Zier Und Nutzen dieneten. Er lernte zeichnen, tanzen, Palläste bauen, Städt’ umschanzen, Blies seine Flöte, spielte sein Klavier; Man ließ ihn in den Alterthümern unterweisen, Und nahm noch, (denn er sollte reisen) Die besten Lehrer in vier Sprachen an. Zwey Reisende befragten einen alten Mann An seinem Hofe: „Sagt uns, aber ungeheuchelt, Was Euer Prinz am besten kann?“ Gut reiten, sprach der Mann, weil ihm kein Pferd geschmeichelt.