Versos German Susanne von Bandemer Klagen an den Entflohenen

German poem

Klagen an den Entflohenen

by (1751–1828)

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Hier ruht dein Bild auf meinem Herzen, Du, Mann der Liebe und der Schmerzen! Der jetzt voll Grausamkeit mich flieht. – Du fliehst umsonst – ! denn meine Seele eilet Dem Manne nach, der das Gefühl nicht theilet Das ewig mir im Busen glüht.

Ja fliehe zu den fernsten Zonen, Laß Haß in deiner Seele wohnen, Wo sonst nur Liebe für mich sprach: Zerbrich, zerreiß’ der Liebe süße Bande Und tödte mich: ich folge bis zum Rande Des Grabes dir im Geiste nach.

Die Liebe kennet keine Schranken, Im Tode selbst wird sie nicht wanken; Sie bleibt sich ewig einerley. Die Zeit kann nie dies reine Feuer mindern, Kein Mensch, kein Gott! kann ihre Allmacht hindern, Und felsenfest ist ihre Treu.

Mein ganzes Daseyn seh’ ich schwinden, Um mich in deinem ganz zu finden: Ich leb’ und denke nur durch dich! – Dich nur allein seh’ ich von allen Wesen Des Weltenall’s. – Was du mir bist gewesen, Bleibst du mir unabänderlich!

Die Liebe trotzt des Schiksals Strenge, Besiegt der Vorurtheile Menge, Und stumpfet ab den Zahn der Zeit: Sie lächelt schlau bey der Moral des Weisen, Und spottet selbst des kalten Blut’s des Greisen. Ihr Ziel beschränkt die Ewigkeit. Wer nicht so fühlt, der weiß und kennet Die Liebe nicht, die selbst getrennet, In ihrer ganzen Fülle Kraft, Nur ewig nach dem Einen strebet, Sich selbst vergessend, nur dem Einen lebet, Der ihr die Welt zur Wüste schafft.

Ha! dieses Schmachten, dieses Streben! Verzehrt die Kräfte von dem Leben, Das der Verzweiflung sich geweiht: Ach! ohne ihn das Daseyn zu ertragen, Wer faßt den Schmerz? O, selbst der Hölle Plagen Sind ja dagegen Seligkeit!