Versos German Wilhelm Hertz Am Sarge eines jungen Mädchens

German poem

Am Sarge eines jungen Mädchens

by (1835–1902)

Listen in the reader

Myrtenlaub im gold’nen Haare, Unter Liljen kühl und mild, Liegst du lächelnd auf der Bahre, Stummes, engelkeusches Bild!

Nie hat eines Jünglings Kosen Diesen zarten Mund berührt, Selbst der Tod hat seine Rosen Nur in scheuem Kuß entführt.

Ach, dein Leben floß in Frieden, Ohne Leid und ohne Haß, – Leis bist du hinweggeschieden, Wenig Augen werden naß.

Und wie dieser Glocke Schwingen, Das zum frühen Grab dich ruft, Wird dein Name bald verklingen Spurlos in des Himmels Luft. Deines reinen Leibes Bette Zeichnet kein Gedächtnißstein, Gras umwallt die öde Stätte, Und die Winde säuseln drein.

Ach, das Holde, fern dem Ruhme, Stirbt wie Frühlingsmorgenroth, Und des Lebens zart’ste Blume Blühet stille in den Tod.