German poem
Die Harzfichte
by Adolf Ey (1844–1934)
Erwachsen bin ich droben, weiß nicht wie, Am Bergabsturz. Der Sturmwind kam und schrie Und riß an mir. Ich wußte nicht wohin; Doch stand ich fest und bin nun was ich bin.
Erwachsen bin ich aus dem Felsenspalt, Und mit den Wurzeln hab’ ich mich gekrallt Um den Granit. Ich tastete und schob Die Faser vor, bis ich den Stein umwob.
Und ob der Schlossen Schauer mich erschreckt, Und ob der Schnee mich klaftertief bedeckt Und Wasser aufgewühlt den magern Grund, Ich hielt den Wipfel hoch, im Kern gesund.
Was kümmert’s mich, daß mir in wilder Hast Das Wetter Nadeln abriß oder Ast, Nur Fetzen hat es mir vom Leib geraubt. Fest stand ich, ungebrochen, stolz das Haupt.
Bis knurrend wie ein Hund er sich geschert, Hab’ ich im Streite mich des Feinds erwehrt; Und war er fort, die Bergwelt vor mir lag, Noch schöner als der siebte Schöpfungstag.
Nun ist’s zu End’! Unheimlich kam da was, Gewalt’ger als der Sturm mit seinem Haß, Urplötzlich, unentrinnbar kam der Graus, Und mit den Wurzeln riß er mich heraus.
Da lieg’ ich auf dem Grund, dem ich entstieg; Doch ungebrochen, ganz. Ich hab’ den Sieg Und balle vor dem Sturm, der mich umbraust, Den Stein, auf dem ich wuchs, wie eine Faust.