German poem
Mein Harz!
by Adolf Ey (1844–1934)
Herbstsonne liegt auf Wies’ und Tann, Rings feierliches Schweigen; Nur manchmal hebts zu rauschen an: Es atmet in den Zweigen.
Und manchmal tönt es wie verstreut Aus dunkler Bergschlucht Tiefe Wie eines Waldglöckleins Geläut, Das mich zur Andacht riefe.
Es hat mich wieder einmal ganz Das Licht der Spätherbstsonnen In meiner Heimat Märchenglanz Wie in ein Netz gesponnen.
Der graue Bergmönch ruft: Glück auf! Winkt mit dem Grubenlichte, Der Wildemann steigt ernst herauf, In starker Faust die Fichte.
Zwerg Hübich grüßt vom hohen Stein Die grimmen Waldgesellen, Und bleich in grauem Dämmerschein Taucht Ilse aus den Wellen.
Mit hundert Augen schaut mich an Des Harzwalds heimlich Leben. Wie mein Harz, nichts Schönres kann Es auf der Erde geben.