German poem
Sehnsucht
by Adolf Ey (1844–1934)
Könnt’ ich noch einmal wiedersehen Und einmal noch die Wege gehen, Die ich in meiner Kindheit ging! Wenn doch noch einmal von der Halde, Von Wiesenhang, vom Fichtenwalde Der Ruch des Harzes mich empfing!
O läg’ ich, wo der Waldbach rauschte, Wo ihm die ganze Seele lauschte Versonnen träumend, weltentrückt! Undkämen all die Märchen wieder Und all die Sehnsucht, all die Lieder, Die mich geängstigt, mich beglückt.
Und hört’ ich von des Hauses Stufen Doch wieder meine Mutter rufen: „Komm, Junge, komm! ’s ist Schlafenszeit.“ Wie wußt ich hinter Baum und Hecken Mich vor der Guten zu verstecken! . . .
Jetzt steh’ ich nah dem friedhofszaune, Hör’ wieder heimliches Geraune: „Komm, Junge, Komm! Der Tag ist aus.“ Gern ging ich, wär’ im Paradiese Der Bach, der Wald, die grüne Wiese, Wär’s wie im Harze, wie zu Haus.