Versos German August Friedrich Langbein Die Mißheirath

German poem

Die Mißheirath

by (1757–1835)

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Die Mißheirath.

Der Löwe lag in Jägernetzen, Und war zu stolz, in Freyheit sich zu setzen. Aus Unterthanenpflicht sprang eine Maus herbey, Und nagte seine Strick’ entzwey. Da sprach gerührt des Waldes König: „Erbitte, treuer Knecht, dir einen Gnadenlohn!“ Das gute Mäuslein sann ein wenig, Und bat sodann: „Geruhet, meinen Sohn, Der jetzt drauf denkt, ein Weib zu wählen, Mit eurer Tochter zu vermählen!“ –

Starr sah der Thiere Großsultan Die kecke Maus ein Weilchen an; Doch mild erwiedert’ er: „Du rettetest mein Leben, Und sollst mich nicht, als undankbar, verschreyn; Drum will ich dir mein Jawort geben, Und morgen mag die Hochzeit seyn!“ –

Die königliche Braut erschien mit Festgepränge Jetzt an des Mäuseprinzen Thür. Mühselig bohrte durch’s Gedränge Der Bräutigam sich hin zu ihr. Doch nicht bemerkend den, der ihr, mit holden Zeichen Der Liebe, Herz und Pfötchen bot, That rasch sie einen Schritt, und trat den Kleinen todt.

Wer freyen will, der wähle seines Gleichen!