German poem
Auf die in den Sonneten gedachte zuruck gegangene Pfingst-Reise
by Catharina Regina von Greiffenberg
Helle Flammina / mein Herzens- begehren! muß ich dich gänzlich- verhoffet entbähren? müssen so löbliche Lebens-Gedanken von dem erheblichen Tugend-Zweck wanken?
Solt nicht solch löblichs verlangen siegprangen? solt ich / mit Abschlag-beschämeten Wangen / lassen solch alte gewaltige Sitten? ist mir die Hoffnungs-Schnur gänzlich zerschnitten?
Dreifache Schnüre sonst selten zerreissen: aber mein Vnglück will alles zerschmeissen. Eine zu kurz ist / die andre zerschnitten / selber zerreiß' ich die dritt' in der mitten.
Leider! des leidigen Vngelücks Tücke / meine Lust / meinen Trost / treiben zu rücke / daß ich muß niessen die Feuer-Corallen / welche von meiner Flammina stäts fallen:
Muß den Herzbrechenden Kummer verschweigen / darff keinen Vnlust noch Traurigkeit zeigen; muß den Herzbrennend-und quälenden Schmerzen heimlich verbergen zu innerst im Herzen.
Diese Sach ligt mir unendlich in Sinnen / all meine Anschläg sich enden hierinnen. hab in dem Traume manch lieblich Gesichte / welches doch wachend wird wider zu nichte.
Meine Flammina läst sich in den Auen / gleichfalls als in den Pallästen / beschauen. Ihre Allgegenwart füllet die Erden / kan mir / mein Leben / auch überall werden.
Ihre Bestrahlung vor alles ich wähle / weil ihre Göttlichkeit ewig zur Stelle. Raubet man mir schon die sichtbaren Blicke: helle Vnsichtbarkeit mich nur erquicke!
Diese ungläublich-geglaubete Sachen / kan mir kein Menschen-Macht ruckstellig machen. Ob sie mit Hindernuß mich schon betrüben: niemand kan wehren das innerlich lieben.
Helle Flammina! du liebest die deinen / Ob sie die Feinde zu stürzen vermeinen; wann die Erdkräfften all stürmen zusammen / lästu mich sehen Geist-Strahlen und Flammen.
Glücklich O glücklich dieselbige Stunde / da du befeurest Herz / Zungen und Munde! laß mich die quickenden Lippen geniessen / daß sie mich süssest berühren und küssen!
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