German poem
von Sigmung von Birken
by Catharina Regina von Greiffenberg
Hände von weiß-seidnem Flor / (die die Hände der Natur mit saffirnen Fäden sticken / ) betet an / die Männer-welt: jeder will auf dieses Feld einen Lieb- und Ehrkuß drücken, Was soll wohl alsdann geschehn / wann die schöne Hand so schön schreibt ein geistigs Kunstgedichte? wer kein Mopsus ist / der richte.
Eine Schnee-Alpaster-Stirn (die mit güldnem Locken-zwirn Sonne-strahlend ist behangen / ) Männer-hertzen an sich rückt: jeder wünschet sich bestrickt und in dieses Netz gefangen. Wie / wann unter Haar und Stirn wohnt ein göttlichs Geist-Gehirn? ach die selbste Lieb / zu lieben so ein Bild / sich fühlt getrieben.
Ein Corall-gezinkter Mund / redt und lacht die Hertzen wund. Stirn-gestirne / die da winken aus des Aug-runds schwarzer Nacht / machen / durch die Einfluß-Macht / Männer-augen Liebe trinken. Noch mehr Feur dem Hertzen gibt / wann das Aug ein Kunstbuch liebt / wann der Engel-Mund erklinget und gantz Englisch redt und singet.
Von des Hertzens doppel-wall / schallt der Liebe Gegenschall / alle Hertzen an sich neiget; wo der Rosen-Busem bebt / sich mit lindem Athem hebt / sein beseeltes Marmor zeiget. Diß der Liebe Vestung ist / da sie brüstet sich und rüst / da sie Pfeile pflegt zuschärffen: alles ihr zu unterwerffen.
Aber / wann diß Herzen-dach deckt der Tugend Schlaffgemach / ist der Keuschheit Pfortenrigel; wann darinn Gotttempel thront; wann der Künste-Geist bewohnt diese zween Parnassus-hügel: wer wolt halten nicht hochwehrt so ein göttlichs Bild der Erd? wer wolt nicht / von ihm zulesen / achten vor ein himmlisch Wesen?
Schönste Freulein / schönster Geist / (wie Euch dieses Buch uns weist / ) Künste-Fürstin / Dichter-Krone! Ihr giest Geist und Flammen ein. Alle Welt Poet soll seyn / daß man Eurer Tugend lohne. Adel unsrer Dichter ey! Euer Lob der Inhalt sey forthin unsrer bästen Lieder / fließ' in seinen Einfluß wieder.
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