Versos German Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau Niemand weiß wie schwer mirs fällt

German poem

Niemand weiß wie schwer mirs fällt

by (1616–1679)

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Niemand weiß wie schwer mirs fällt/ Flammen in der brust zu hegen; Und sie dennoch für der welt/ Nicht ans freye licht zu legen. Feuer läst sich nicht verhelen; Denn sein glantz ist allzuklar/ Und die glut verliebter seelen Macht sich selber offenbar.

Hundert augen die von neid Und von lauter argwohn brennen/ Sind auff mich zu sehn bereit/ Ob sie was vermercken können. Noch verberg ich meine schmertzen/ Daß man keine funcken sieht/ Da die liebe doch im hertzen Wie ein andrer Aetna glüht.

Dieses ist der liebe kunst/ Amor suchet finsternissen/ Und von seiner stillen brunst/ Muß der helle tag nichts wissen. Venus bricht mit ihrem sterne Erst bey dunckler nacht herein/ Daß die zarte jugend lerne In der liebe heimlich seyn.

Drum gewehne dich mein muth/ Deine flammen zu verschweigen; Laß von der verborgnen glut Weder mund noch auge zeugen. Must du dich gleich etwas zwingen/ Ist gleich die verstellung schwer; Aus den allerschwersten dingen Kommt die gröste lust offt her.

Perlen liegen eingeschrenckt In den harten muschel-häusern. Wer auff frische rosen denckt/ Sucht sie in den dornen-reisern. Honig ist nicht ohne bienen. Wer in Canaan will stehn/ Muß erst in Egypten dienen/ Und durch meer und wüsten gehn.

Vielleicht wird des himmels gunst Mir das glück noch künfftig gönnen/ Daß die kohlen meiner brunst Offenbarlich trennen können. Itzo schreib ich meinem hertzen Diesen wahren denck-spruch ein: Feuers-glut und liebes-schmertzen Müssen wohl bewahret seyn.