German poem
Spätrot
by Clara Müller-Jahnke (1860–1905)
Goldene Sonne, kaum gesunken, wolkenüberschattet Glück, zauberst du in Spätrotfunken einen schöneren Tag zurück?
Holde Jugend, kehrst du wieder? – In des Abends Rosenschein fallen mir verklungne Lieder, halb vergessne Weisen ein:
Seufzer, Küsse, leise Klagen, Liebeslust und Liebesnot – daß des Herzens heißes Schlagen mir die Brust zu sprengen droht!
Spätrotschein und solche Lieder . . .! Und es geht mir durch den Sinn leise Mahnung, daß ich wieder unverzeihlich töricht bin.