German poem
Ein christlich Sprüchlein
by Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898)
In meinen Leidensnächten ohne Stern Erlab' ich mich an guter Sprüche Kern. Sankt Paule, der du mir zu jeder Frist Aus dem Apostelbund der liebste bist,
Eins deiner Sprüchlein so von ungefähr In bittern Nöten bet' ich vor mich her:
"Es ängstet sich, es sehnt sich allezeit Die Kreatur in ihrer Endlichkeit."
Oft wird der edle Leib, das schöne Sein Zum dumpfen Kerker ohne Licht und Schein.
Dann ist es nicht ein hergebracht Gebet Es ist der Geist, der in uns seufzt und fleht,
Und wärst du, Gott und Herr, nicht ewiglich, Ein solches Stoßgebet erschüfe dich.