Versos German Emil Rittershaus Beim Rheinwein

German poem

Beim Rheinwein

by (1834–1897)

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Vom Flaschenhaupt den Pfropfen fort Und vom Humor den Zügel! Frau Musika, sie geb’ dem Wort Die leichten, flinken Flügel, Und auf des Liedes Schwingen steig’ Das Herz zu dieser Stunde Hoch in der Freude Sonnenreich In lust’ger Zecherrunde.

Und haben wir kein Flügelpaar, Das trägt bis zu den Sternen – Vom Schmetterling, nicht nur vom Aar, Läßt fliegen auch sich lernen. Der Falter soll uns Lehrer sein, Der Sorgen gift’ge Nattern, Des Lebens Staub und Dorn und Stein Beim Wein zu überflattern. –

Jung Röslein frisch, jung Röslein roth, Du schönster Maigedanke, Du bietest uns das Himmelsbrod Zum duft’gen Himmelstranke. Du holdes Kind der Frühlingsflur, Laß scherzen uns und kosen! Es brechen nicht, es küssen nur Die Falter sacht die Rosen.

Vom Thaukelch trinkt der Schmetterling; Die Römer uns gebühren – Schon ziert des Bechers blanken Ring Ein Kranz von Perlenschnüren. Wir schlürfen sie, und jeder Druck Fällt von der Brust uns leise; Es zieht der Geist in solchem Schmuck In sel’ge Götterkreise.

Die Götter trinken Brüderschaft Mit uns, den Erdensöhnen, Und hellen Klangs, mit voller Kraft Soll unser Sang ertönen: Im gold’nen Wein ist Sonnenschein – Da ist das rechte Leben; Gesegnet sei der Vater Rhein, Gesegnet seine Reben!