German poem
Am Geburtstage meines Vaters
by Ernst Koch (1808–1858)
(während eines heftigen Gewitters geschrieben).
Glühend in des Mittags Schwüle Schickt die Sonne ihr Geschoß, Keuchend zieht das matte Roß, Sucht der Bäume Schattenkühle. Aller Lebensgluth beraubt, Steht der Hain mit schlaffen Zweigen, Und des Thales Blumen neigen Traurig, farbenlos, ihr Haupt. Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen, Schon im Sarge, noch geschmückt, Wo der Tod von ihren Wangen Noch die Rose nicht gepflückt; Einem holden Frühling gleich Mit unendlicher Blumenfülle; Ohne das ewige Schaffen und Streben, Ohne das blühende, liebende Leben, Eine abgestorbene Hülle Liegt der Erde weites Reich.
Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen Dort im Westen hergezogen, Wie das Schicksal, langsam, schwer, Wälzt es sich am Himmel her. Und des Aethers Azurschein Hüllt in Nacht sich ein, Und der Ewige naht Auf dem Gewölke den Fuß, Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad Bringen den Jubelgruß.— Da siehe, ganz helle, Ein zuckender Strahl Mit Gedankenschnelle Erleuchtet das Thal. Ein Funken seiner Glorie kündet Des Herren Angesicht, Der Herr sprach: zurück, die Hütte nicht! Und der Funken hat nicht gezündet, Und der Mensch danket und betet an, Wie er sieht den Ew'gen nah'n.
Horch, da murmelt's am fernen Himmel, Gleich einem rieselnden Felsenbach, Und murmelt näher und näher ohn' Ende, Und rollt jetzt lauter am Firmamente, Und bebt in des Berges Schluchten nach, Und donnert und kracht, Und heult in die Nacht, Als wären die Welten im Kampfgetümmel, Als wollt' im angstvollen Beben Die Erd' aus den Angeln sich heben, Und ein Schlag, daß die Himmel zittern, Hemmet des Donners furchtbaren Lauf, Und des Eichbaums Aeste splittern: Dampfend zu dem Himmel auf Wallt des Haines Opfergluth Ihm, der uns mit treuer Hut. Schützt in Ungewittern.
Siehe, nun kommt der unendliche Segen, Und es ergießt sich der rauschende Regen, Ziehet dahin über Felder und Auen, Sie mit erquickendem Leben zu thauen. Freudig erhebet die Blume das Haupt, Frisch hat der lachende Baum sich belaubt.
Holde Nachtigallen Singen in dem Hain, Hörnerklänge schallen, Flöten und Schalmei'n, Und es grünet die Weide, Und die Heerden zieh'n Mit harmonischem Geläute An dem Anger hin.
Der Landmann sieht die Felder blüh'n Und seiner Wiesen neu belebtes Grün, Und sieht auf seinen Fluren Des Vaters Segensspuren. Zum Himmel hebt er die Hände gern Und dankt dem Herrn. Und ein Jüngling schmiegt sich an seinen Arm, Drückt an die Brust ihn lieb und warm, Blickt empor zu des Himmels Blau, Sehnsucht im Auge und Thränenthau, Will einen Kranz dem Vater winden, Kann für das Herz nicht Worte finden, Er schaut in den Frühling und findet sie, Und beugt in kindlicher Andacht das Knie:
Du in ew'gen Fernen, Vater über'n Sternen, Höre mein Gebet! Geber aller Freuden, Du nur kannst es deuten, Was die Seele fleht. Herr, wie auf Dein Zeichen Die Gewitter weichen, Und die Wolken fliehen: Also winke liebend, Wenn Gewitter trübend Seine Stirn' umzieh'n. Schaffen, Wirken, Streben Sei das frohe Leben, Das Du ihm verlieh'n, Und durch Frühlingstage Ohne Schmerz und Klage Leite, Vater, ihn. Deine Huld und Güte, Ewiger, verhüte, Kummer, Gram und Leid; Kräfte gib dem Sohne Zu dem großen Lohne, Bis die Dankbarkeit Einst in späten Zeiten Unter Trauerweiden Feuchten Auges steht, Bis die Nebel sinken Und die Fluren winken, Wo die Palme weht!