German poem
An Betty
by Ernst Koch (1808–1858)
nach der Flucht ihres Kanarienvogels.
O gebiete Deinen Thränen Und erheit're Deinen Blick, Denn es führt kein banges Sehnen Deinen Flüchtling Dir zurück.
Deine Liebe so zu lohnen, Mochte freilich treulos sein, Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen Gern Dein Edelmuth verzeih'n.
Sieh', wie's draußen in den Auen Dort und dort so freundlich wird, Und wie lieblich in den blauen Höhen schon die Lerche schwirrt.
Sieh nur, wie die Knospen schwellen, Wie das Leben neu erwacht, Wie aus den enteisten Wellen Uns der Lenz entgegen lacht.
Hat Dir nie in solchen Tagen, Wenn der Frühling aufgeblüht, Schneller auch Dein Herz geschlagen, Wärmer Deine Brust geglüht?
O dann richte nicht zu strenge, Denn auch ein Kanarienherz, Glaube mir, ist nicht zu enge Für der Sehnsucht bangen Schmerz.
Denke Dir den armen Kleinen, Male Dir sein hartes Loos: Fern von den geliebten Seinen, Schmachtend, seufzend, hoffnungslos!
Und nun schwebt der Lenz hernieder; Draußen in der freien Welt Rufen tausend frohe Brüder, Die kein enger Käfig hält.
Schon verschwunden war sein Hoffen, Ach! bis jetzt sein einz'ges Glück,— Ha! da blieb das Thürchen offen,— O, ersehnter Augenblick!
Freundlich, in der Freiheit Schooße Winkte Wonne, winkte Lust, Und es reifte jener große Entschluß in der kleinen Brust.
O, nun konnt' er freudig singen, Hüpfend bald von Baum zu Baum, Bald die ungewohnten Schwingen Übend in dem freien Raum.
Doch, wie kurz war nur die Freude! Als das junge Morgenroth Purpur auf die Fluren streute, Fand es ihn erstarrt und todt.
Ach! und Wald und Flur vereinte Sich zur Trauer und zum Harm, Jedes kleine Hälmchen weinte Eine Thräne, hell und warm.
's ist gescheh'n! Er ist geschieden! Seine zarte Stimme schweigt, Und hinab zum ew'gen Frieden Ist das kleine Haupt geneigt!
Drum gebiete Deinen Thränen, Und erheit're Deinen Blick, Denn es führt kein banges Sehnen Deinen Liebling Dir zurück!
Worte,
gesprochen vor dem Anfange der Komödie, welche die Kinder aus dem Wimez'schen Institute aufführten.
Aengstlich treten wir und schüchtern In der Muse Tempel ein, In der Göttin Heiligthume Den bescheid'nen Kranz zu weih'n.
»Welch gewagtes Unternehmen! Kränze von so kleiner Hand, Die ein Chor von kühnen Mädchen Am Altar der Künste wand!«
O verzeiht, auf Eure Güte Hat das bange Herz vertraut, Und auf Eurer Milde gläubig All sein Hoffen aufgebaut.
Hebt auch schüchtern und mit Zagen Sich empor der scheue Blick, Gern vertraut die Seele wieder, Und die Hoffnung kehrt zurück.
Darum täuschet, Ihr Geliebten, Nicht dies kindliche Gefühl! Muthig haben wir gerungen Nach dem heiß ersehnten Ziel.
Und verkündet Euren Beifall Nur ein Lächeln, sauft und leicht, O dann ist ja tausendfältig Dieses schöne Ziel erreicht.
Wo der Seligkeiten höchste, Wo nur Dank und Freude wohnt, Wo mit diamant'nen Kronen Euer Beifall uns belohnt.