Versos German Ernst Scherenberg Ein Gruß an die Deutschen in Nordamerika

German poem

Ein Gruß an die Deutschen in Nordamerika

by (1839–1905)

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Schon zwei Jahrhundert’ floß die Fluth Des Völkerstroms gen Westen, Eh’ sich in ihn germanisch Blut Ergoß in tausend Aesten. – Verrauscht aufs neu zweihundert Jahr’, Seitdem in Schmerzenstagen Mußt’ um die erste Flüchtlingsschar Die deutsche Heimath klagen.

Heut’ klagt sie nimmer, schaut mit Fug Stolz auf die tapfern Sprossen, Die furchtlos einst mit Axt und Pflug Den Urwald sich erschlossen, Die mühsam durch der Steppe Grund Den Weg gewußt zu bahnen – – Die Söhne will durch Sängers Mund Die alte Heimath mahnen.

Verrostet lang hing Deutschlands Wehr – Das Reich zerstückt, zerschlagen! Von deutscher Freiheit, Macht und Ehr’ Ging’s nur noch um in Sagen. Getrennt durchs Weltmeer, saht ihr kaum Noch Deutschlands Sterne scheinen – Nur manchmal hörtet ihr im Traum Die alte Heimath weinen.

Da kam der Tag, wo erz’ner Klang Aufrüttelte die Stämme; Da brach des Volkes Einheitsdrang Wie Sturmfluth alle Dämme; Da reckt’ des Reiches Riesenbau Sich auf mit Thurm und Zinken – Hoch saht ihr über Meeresblau Die alte Heimath winken!

Ihr Brüder in der neuen Welt, Seid eins auch ihr im Ringen! Wenn Deutsch mit Deutsch zusammenhält, Wer wollt’ es da bezwingen? Dem Staat, den ihr euch wähltet, treu Doch treu auch ohne Wanken Euch selbst – dann wird euch immer neu Die alte Heimath danken!

Habt drüben auch in freiem Land Ihr neues Heim erstritten – Wahrt deutsch das Herz und deutsch die Hand, Bleibt deutsch in Sein und Sitten! Sterbt ihr dereinst in solchem Bund – Mit Mutterlaut, dem süßen, Wird segnend noch in letzter Stund’ Die alte Heimath grüßen! Ernst Scherenberg.