Versos German Ernst Wilhelm Lotz Abendspiel

German poem

Abendspiel

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Die kleinen Kinder sitzen auf den Stufen vor dem Haus, Sind eng gerückt und spielen Große, die sich streng besuchen. Manchmal fällt einem Mädchen ein Lachen aus dem Halse heraus.

Ich spiele auch. Ich spiele ein herzkindliches Spiel. Ich spiele eine Kette von Kindern, einen rosinfarbenen Kranz, Hinauf in die trunkene Luft, in der Sonne Untergangsspiel. Ich spiele mich eifrig und heiß und rot und werde leuchtend in unnatürlichem Glanz, Mein Werkstaunen schwillt übergroß und wird mir zuviel: --

Stark in der Wolken hinschwingendes Lichten Werf ich, jäh frei gekrallt aus meinem Leib, mein Herz, das Flammen facht! Zerdonnernd dumpf verschwimmt das Höhenspiel zu bleichen Schichten, Und wo ich hintraf, steht ein großer Stern und leuchtet und ist ein tiefes Auge in die Nacht.

UND SCHÖNE RAUBTIERFLECKEN . . .

Bist du es denn? Groß aus dem Weltraum nachts, der Spiegel ist, Tönt dein zerwehtes Bildnis in meine Seele. Die Sterne durchziehen harfend deine Brust. Du aber . . .

Du glänzt vielleicht versehnt im weißen Federbett, Traum liegt dir hart im Schoß. --

Oder ein junger Liebling Zieht fühlsam mit zeichnendem Finger Die festen Runden deiner Brüste nach. Ihr seid sehr heiß. Und schöne Raubtierflecken zieren eure Rücken.

ICH SCHLEPPE MEINE STUNDEN. . .

Laß mich meine Hände um deine Gelenke spannen Und meine Stirn an deine Schulter lehnen, O du umträumte Geliebte!

Ich schleppe meine Stunden durch Straßen, Kontore und windige Treppenhäuser, Und alle Augen, die mir begegnen, sind behauchte Scheiben, Hinter denen, in Rechnen-Folianten geduckt, Ein Seelen-Jemand vor grün verdeckter Lampe dämmert.

Mädchen, wenn ich meine Augen in deine warmen Hände presse, Dann steigt so dunkel und weich um mich auf, Daß ich träume, ich sei bei meiner Mutter, Tief bei meiner Mutter in der Blutnacht.

SPÄT ÜBER DEN HÄUSERN . . .

Spät über den Häusern, Wann die Dächer von Farben tropfen, Kniest du bei mir am Fenster auf dem Schemel. Ein Wundern bebt in mir, Ich fühle deine Pulse klopfen, Als lebte dein Blut in mir. --

Kannst du das fest begreifend sehen: Wie ich am Fenster lehne Und, weich beglüht, Die Arme in das Licht hinüberdehne. Mit meinen Fingern pflück ich aus den grünen Grüften Die kleine abendfarbne Tanzmusik vom Kaffehaus. In meinen Händen wird sie groß und lodert in den Sommerlüften.

Auf einmal wächst vom goldnen Horizont, Weiß, riesengroß und spät besonnt, Dein hingeträumter Leib heraus:

Da spanne ich meine Arme weit Durch bunt verhängte Abenddämmerungen Um deines Leibes Traumverlorenheit, Mädchen! und halte dich dort über Dächern und der Zeit, Wie hier am Fenster, märchenfest umschlungen!