Versos German Ernst Ziel Im Schilf

German poem

Im Schilf

by (1841–1921)

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Es rauschte im Schilf wie von weichen Schwingen; Der Wasservogel umkreiste sein Nest. Wir hörten am Strande die Fischer singen – Das war auf dem Wettern im Mittsommerfest.

Seerosen nickten und wiegten sich leise, Auf spiegelebener, flüssiger Bahn; Die Möve zog über uns lustige Kreise – Wir saßen drei glückliche Menschen im Kahn.

Ich lehnte am Bug, und ich sah mit Entzücken Das Ruder, o Holde, dich führen gewandt. Am Steuer die Schwester – um Rosen zu pflücken, Wie tauchte sie leicht in die Wellen die Hand!

Und wie sie sich neigte, da frugst du verstohlen: „O sage, ist Liebe ein flüchtiger Traum, Wie im Schilfe der Lenznacht Athemholen, Wie aus schwankendem See ein vergänglicher Schaum?“

Du wandtest dich heimlich zu mir herüber Und seufztest – da hab’ ich an’s Herz dich gepreßt; Ich küßte dich stürmisch; die Seele schwoll über – Das war auf dem Wettern im Mittsommerfest.

O Tage am Wettern, o Tage der Wonne, Ihr schwandet nun längst, wie ein Traumbild vergeht. Es sterben die Freuden unter der Sonne, Wie Schwingenrauschen im Schilfe verweht.