German poem
_Der Tannhäuser._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. 214, E. 206.]
Minnesänger. Aus dem salzburgischen Geschlechte von Tanhusen, führte etwa von 1240-1270 ein abenteuerliches Wanderleben und hielt sich am baierischen, am österreichischen und an andern Höfen auf. Herausgegeben in v. d. Hagens ‘Minnesinger’ Nr. 90.
Mîn frouwe diu wil lônen mir der ich sô vil gedienet hân. des sult ir alle danken ir: si hât sô wol ze mir getân. si wil daz ich ir wende den Rîn daz er für Kobelenze iht gê: sô wil si tuon den willen mîn. mag ich ir bringen von dem sê des grienes, dâ diu sunne, gêt ze reste, sô wil si mich wern. ein Sterne dâ bî nâhe stêt, des wil si von mir niht enbern. ich hân den muot swaz si mir tuot, daz sol mich allez dunken guot. si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine. Ich muoz dem mânen sînen schîn benemen, sol ich si behaben: sô lônet mir diu frowe mîn, mag ich die werlt al umbegraben. Meht ich gefliegen als ein star, sô tæt diu liebe des ich ger, und hôhe sweiben als ein ar und ich ze mâle tûsent sper zertæte als mîn her Gamuret vor Kamvoleis mit rîcher tjost, sô tæt diu frouwe mîne bet: sus muoz ich haben hôhe kost. ich hân den muot, swaz si mir tuot, daz sol mich allez dunken guot si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine. Si giht, müg ich der Elbe ir fluz benemen, sô tuo si mir wol, dar zuo der Tuonowe iren duz: ir herze ist ganzer tugende vol. den salamander muoz ich ir gebringen ûz dem fiure her, sô wil diu liebe lônen mir und tuot ze mir des ich dâ ger. mag ich den regen und den snê erwenden, des hœr ich si jehen, dar zuo den sumer und den klê, sô mac mir liep von ir geschehen. ich hân den muot, swaz si mir tuot, daz sol mich allez dunken guot. si hât sich wol an mir behuot, diu reine: sunder got aleine, sô weiz die frouwen nieman diech dâ meine.
Die Herrin will die Dienste mir Vergelten, die sie hat empfahn: Das sollt ihr Alle danken ihr; Sie hat so wohl an mir gethan. Wenn ich ihr wenden kann den Rhein, Dass er nicht mehr vor Coblenz geh, So will sie thun den Willen mein: Weiss ich den Sand ihr von der See Zu bringen, drein die Sonne sinkt Zur Ruh, so will sie mir gewähren; Den Stern auch, der darüber blinkt: Den will sie nicht von mir entbehren. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, Das soll mich Alles dünken gut. Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine; Ausser Gott alleine, So weiss die Holde Niemand, die ich meine. Ich muss dem Monde seinen Schein Benehmen, wenn ich sie soll haben: So lohnet mir die Fraue mein, Mag ich die Erde rings umgraben; Sieht sie mich fliegen wie ein Staar, So thut sie, was ich nur begehre, In Lüften schweben wie ein Aar, Dazu auf einmal tausend Speere Verthun, wie einst Herr Gamuret Mit reicher Tjost vor Kanvoleis, So thut sie, was ich lang gefleht, Sie wird mir hold um solchen Preis. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, Das soll mich alles dünken gut. Sie nahm an mir die Ehr in Hut, die reine; Ausser Gott alleine So weiss die Holde Niemand, die ich meine. Nehm ich der Elbe nur den Fluss, So thut sie Alles, was sie soll, Der Donau nur den jähen Schuss; Ihr Herz ist ganzer Tugend voll. Den Salamander muss ich ihr Nur aus dem Feuer bringen her, So will die Liebe lohnen mir Und leisten jegliches Begehr. Mag ich den Regen und den Schnee Verhindern, das verhiess sie mir, Dazu den Sommer und den Klee, So mag mir wohlgeschehn von ihr. Mir ist zu Muth, Was sie mir thut, Das soll mich Alles dünken gut. Sie nahm die Ehr an mir in Hut, die reine, Ausser Gott alleine So weiss die Holde Niemand, die ich meine.