Versos German F. Max Müller _Friedrich Dedekind._

German poem

_Friedrich Dedekind._

by (1823–1900)

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[Scherer D. 291, E. 287.]

Geboren als Sohn eines Fleischers zu Neustadt an der Leine, 1551 Pastor zu Neustadt, 1576 zu Lüneburg, wo er 1598 als Superintendent starb. Er dichtete als Wittenberger Student 1549 den ‘Grobianus’ und später geistliche Dramen. Der Grobianus wurde 1551 von Kaspar Scheidt, einem Wormser Schulmeister, verdeutscht. Herausgegeben von Milchsack (Halle, 1882).

GROBIANUS.

Wer dir begegnet auff der strassen, Den soltu für sich ziehen lassen, Vnangeredt, on grůss, on bscheidt, On alle zucht vnd freundtlichkeit, Ob er schon gleich vom Adel her, Oder ein Burgermeister wer, Oder sunst säss in rhat vnd gricht, Oder die jugent vnderricht, Ein Doctor oder Predicant, Rhatgeber, oder aussgesandt, Vnd wie solch Herren sind genant, Die gůt leer vnd exempel geben, Vnd füren ein vnsträflich leben: So gib bey leib kein achtung drauff, Vnd lass dein schön filtzhütlin auff: Dann soltst dus offt heraber rauffen, Wie bald müst du ein anders kauffen? Vnd sind darzů solch hütlin thewr, Wer gäb dir etwas dran zu stewr? Hüt dich vor solchem kappen rucken, Mit neigen vnd paretlin zucken. Im winter ist der lufft zu kalt, Vnd ist dein har nicht wol gestalt, Zeuchstu das hütlin dann hernider, Vnd wilts dann gleich auff setzen wider, So komen dann gleich ander Herren, Vnd můsts wider heraber zerren. Wer liess dem armen hütlin rhů? Vnd wer verloren müh darzů: Lůg ob man dir dergleichen thů. Geh still für vber, vnd passier, Dass dir dein häuptlin nicht erfrier, (Darin du hast so seltzam meuss, Vnd druff ein walt, darin vil leuss.) Darneben vnsern stand betracht, Sind wir nicht all auss leymen gmacht? Wer kan jm etwas setzen zu, Ist er dann gschickter weder du? So sterben täglich hin zu gleich, Jung, alt, feisst, mager, arm, vnd reich. Sprich, wir sind erden all zumal, Ich gäb kein nestel vmb die wal, Darumb will ich kein brangens treiben, Ir lasst mich doch wol bey euch bleiben. Clotho jr werck hat zů gericht, Atropos niemandt vbersicht, Wann sie den letsten faden bricht: Hat sie auch je verschont eim reichen? Warumb solt ich dann jemands weichen? Vnd breit dich auss, vnd brang dahin, Vnd nimb die halben gassen ein, Vnd stoss ein andren an ein seiten, Sprich, lantzman hebah, gib mir weiten. Du aber gib niemandt kein platz, Vnd was du magst thů jn zu tratz. So du spatzieren wilt zu zeiten, Mit gsellen oder erbarn leuten, Ob er schon gschickter ist dann du, Vnd hat mehr ehr vnd gůt darzů, So will ich dir ein regel deuten, Geh allzeit auff der rechten seiten, Dass er zur lincken geh daher, Als ob er dein Discipel wer.