German poem
_Friedrich Spee._
by F. Max Müller (1823–1900)
[Scherer D. 334, E. 338.]
Geboren 1591 zu Kaiserswerth am Rhein. Er trat früh in den Jesuitenorden zu Cöln und starb zu Trier 1635 an einer Krankheit, die er sich bei der Pflege kranker Soldaten zugezogen. Er schrieb gegen das Verbrennen der Hexen. Sein ‘Güldnes Tugendbuch’ ist ein prosaisches Erbauungsbuch mit eingeschalteten Gedichten; seine ‘Trutz-Nachtigal’ eine Sammlung geistlicher Lieder. Beide Werke erschienen erst nach seinem Tode 1649. ‘Trutz-Nachtigal’ herausgegeben von Balke (Leipzig 1879).
AUS DER TRUTZ-NACHTIGALL.
LIEBGESANG DER GESONSS JESU, IM ANFANG DER SOMMERZEIT.
Der trübe winter ist fürbei, Die Kranich widerkehren, Nun reget sich der Vogelschrei, Die Nester sich vermehren; Laub mit gemach Nun schleicht an tag[1011], Die Blümlein sich nun melden; Wie Schlänglein krumm Gehn lächlend umb Die Bächlein kühl in Wälden. Die Brünnlein klar und Quellen rein Viel hie, viel dort erscheinen, All silberweisse Töchterlein Der holen Berg und Steinen, In grosser Meng Sie mit Gedräng Wie Pfeil von Felsen zielen; Bald rauschens[1012] her Nit ohn Geplärr[1013] Und mit den Steinlein spielen. Die Jägerin Diana stolz, Auch Wald- und Wassernymphen Nun wieder frisch in grünem Holz Gahn spielen, scherz und schimpfen. Die reine Sonn Schmuckt ihre Kron, Den Kocher füllt mit Pfeilen, Ihr beste Ross Lässt lauffen los, Auf marmerglatten Meilen[1014]. Mit ihr die kühle Sommerwind, All Jünglein[1015] still von Sitten, Im Luft zu spielen seind gesinnt, Auf Wolken leicht beritten. Die Bäum und Näst[1016] Auch thun das Best, Bereichen[1017] sich mit Schatten, Da sich verhalt Das Wild im Wald, Wanns pflegt von Hitz ermatten. Die Meng der Vöglein hören lasst[1018] Ihr Schyr- vnd Tyre-Lyre; Da sauset auch so mancher Nast, Sampt[1019] er mit musiciere. Die Zweiglein schwank Zum Vogelsang Sich auf, sich nieder neigen. Auch höret man Im Grünen gahn[1020] Spazieren Laut und Geigen. Wo nur man schaut, fast alle Welt Zun Freuden thut sich rüsten, Zum Scherzen alles ist gestellt, Schwebt alles fast in Lüsten; Nur ich allein, Ich leide Pein, Ohn End ich werd gequälet, Seit ich mit dir, Und du mit mir, O Jesu, dich vermählet. Nur ich, o Jesu, bin allein Mit stetem Leid umbgeben, Nur ich muss nur in Schmerzen sein, Weil nit bei dir mag leben. O stete Klag! O während[1021] Plag! Wie lang bleib ich gescheiden? Von grossem Weh, Dass dich nit seh, Mir kombt so schweres Leiden. Nichts schmecket mir auf ganzer Welt Als Jesu Lieb alleine, Noch Spiel noch Scherz mir je gefelt Bis lang[1022] nur er erscheine; Und zwar[1023] nun frei Mit starkem Schrei Ruf ihm so manche Stunden, Doch nie kein Tritt, Sich nahnet nit; Sollt michs nit hart verwunden? Was nützet mir dann schöne Zeit? Was Glanz und Schein der Sonnen? Wass Bäum gar lieblich ausgebreitt? Was Klang der klaren Brunnen? Was Athem lind Der kühlen Wind? Was Bächlein krumm geleitet? Was edler Mai? Was Vogelschrei? Was Felder grün gespreitet? Was hilft all Freud und Spiel und Scherz, All Trost und Lust auf Erden? Ohn ihn ich bin doch gar in Schmerz, In Leid und in Beschwerden. Gross Herzenbrand Mich tödt zu Hand, Weil Jesu dich nit finde; Drumb nur ich wein Und heul und grein, Und Seufzer blas in Winde. Ade, du schöne Frühlingszeit, Ihr Felder, Wäld, und Wiesen, Laub, Gras, und Blümlein neu gekleidt, Mit süssem Tau beriesen[1024]! Ihr Wässer klar, Erd, Himmel gar, Ihr Pfeil der gülden Sonnen! Nur Pein und Qual, Bei mir zumal Hat Ueberhand gewonnen. Ach Jesu, Jesu, treuer Held, Wie kränkest mich so sehre! Bin je doch harb und harb gequeelt; Ach, nit mich so beschwere! Ja wiltu sehn All Pein und Peen[1025] Im Augenblick vergangen, Mein Augen beid Nur führ zur Weid, Auf dein so schöne Wangen.