German poem
Einhundert und dreyßigstes Sonett: [Jetzund, da Himmel, Erd' und Wind rings schweiget]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Jetzund, da Himmel, Erd' und Wind rings schweiget, Und Wild und Vögel Schlafes Zügel tragen, Die Nacht im Kreise führt den Sternenwagen, Im Bett das Meer ruht, keine Welle steiget. Wach' ich, glüh', sinn' und wein', und, der mich beuget, Ist stets mir nah mit seinen süßen Plagen; Krieg ist mein Zustand, voller Zorn und Klagen Ihr Bild nur ein'gen Frieden mir erzeuget. So dringt aus einem hell lebend'gen Quelle, Zu nähren mich, so Süßigkeit als Herbe, Und Eine Hand gibt Heilung mir und Wunden. Und weil mein Jammer nie gelangt zur Stelle, Erwach' ich tausendmahl des Tags und sterbe, So weit ach! hab ich noch, um zu gesunden.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert und achtes Sonett: [Amor, der mir im Herzen lebt und waltet]
- Einhundert und achtzehntes Sonett: [Demüthig Wild, mit Tiger-, Bärensinne]
- Einhundert und achtzigstes Sonett: [Anstimmen wollt' ich so gerechte Klagen]
- Einhundert und dreyzehntes Sonett: [O Seel', in Tugend prangend und entzündet]
- Einhundert und drittes Sonett: [Frieden nicht findend, nicht im Kriegesstande]
- Einhundert und eilftes Sonett: [Nie sah so freundlich ich die Sonne walten]
- Einhundert und erstes Sonett: [Ist's Liebe nicht, was ist's denn, was ich trage]
- Einhundert und fünftes Sonett: [Das geiz'ge Babel hat von Gottes Zoren]