German poem
Einhundert vier und siebenzigstes Sonett: [Die Ufer all' des Meeres ich durchspähe;]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Die Ufer all' des Meeres ich durchspähe; Vom Ebro bis Hydaspes fernen Pfaden, Von rothen hin bis Kaspischen Gestaden Nur einen Phönix weit und breit ich sehe. Rechts welcher Rab' und linkshin welche Krähe Sang mein Geschick? Welch' Parze spann den Faden? Wie Schlangen find' ich taub das Ohr der Gnaden, Von der ich hoffte, daß mir Heil geschähe. Von Ihr nicht sprech' ich; aber der sie lenket, Ließ Süß und Lieb' ihr Herz die Füll' erwerben; So viel hat sie, so viel sie Andern schenket. Und meine Süßigkeiten zu verherben, Nicht merkt sie, oder scheint's, und nicht bedenket, Wie sich vor Schlafenszeit die Schläfe färben.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert vier und dreyßigstes Sonett: [Süßen Gedanken Amor zu mir schicket]
- Einhundert vier und fünfzigstes Sonett: [Der Zweig, o Sonne, den du liebtest ehe]
- Einhundert vier und neunzigstes Sonett: [Wohl hatt' ich ein zufrieden Loos gewonnen]
- Einhundert vier und sechszigstes Sonett: [Die milde Luft, die sonnenwärts beweget]
- Einhundert vier und vierzigstes Sonett: [Amor spornt mich, und zügelt mich, zu stehen]
- Einhundert vier und zwanzigstes Sonett: [Wo laß mein Auge ruht, wohin ich's wende]
- Einhundert zwey und achtzigstes Sonett: [Der neue Sang, der Vöglein Klageweisen]
- Einhundert zwey und dreyßigstes Sonett: [Blieb ich einst standhaft in der Höhle stehen]