German poem
Zweyhundert und achtes Sonett: [Vielleicht glaubt Mancher, daß zu weit ich gehe]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Vielleicht glaubt Mancher, daß zu weit ich gehe, Wenn meine Erdenheilige ich preise, Und über Alle sie als fromm und weise, Als adlig, ehrbar, schön und hold erhöhe. Mir scheint es anders, und in Furcht ich stehe, Daß sie mein Wort zu niedrig schmäh' und leise, Sie werth wohl einer höhern, feinern Weise; Wer zweifelt, komme, daß er selbst sie sehe. Und heißen wird es dann: Wonach er ringet, Athen wohl könnt' es und Arpinum quälen, Mantua, Smyrna, ein' und andre Leyer. Irdischer Sprache ziemet nicht die Feyer Des Göttlichen. Nicht durch ein freyes Wählen, Durch Schickung Amor sie bewegt und zwinget.
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