German poem
Zweyhundert und achtzigstes Sonett: [Nie thränlos wird mein Blick, nie ungerühret]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Nie thränlos wird mein Blick, nie ungerühret Werd' ich und ruhig jene Zeilen schauen, Aus denen Liebesfunkeln scheint zu thauen, Die Mitleid wie mit eigner Hand gezieret; Geist, der im Erdenkampf du triumphiret, Nun solche Süße träufst aus Himmelsauen, Daß du zum Griffel, dem des Todes Grauen Entfremdet mich, mein Lied zurückgeführet; Ich hoffte, andre Frucht dir noch zu weisen Von zartem Zweig'; – welch' wilden Sternes Neiden Nahm dieses uns? O Hort, auf welchen Gleisen, Durch wen mußtest zu früh du von uns scheiden? Dich sieht mein Herz, dich will die Zunge preisen; Du, süßer Seufzer, stillst der Seele Leiden.
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